Restaurierung einer Iljuschin IL-14P
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Iljuschin IL-14P

Mai 2023: Die restaurierte IL-14P auf dem Vorfeld des Tempelhofer Flughafens
Die IL-14P ist ein sowjetisches Kurz- und Mittelstreckenflugzeug, das 1950 seinen Erstflug absolvierte. 80 Maschinen wurden vom VEB Flugzeugwerke Dresden bis Ende 1958 in Lizenz gefertigt; darunter auch das Museumsflugzeug. Das Deutsche Technikmuseum nahm es 1992 in die Sammlung auf. Von Frühjahr 2006 bis Sommer 2025 erfolgte die Restaurierung durch ein Team Ehrenamtlicher.
Im Lauf seiner Einsatzgeschichte in der DDR wurde diese IL-14 nach anfänglicher Verwendung für Transport- und Fallschirmspringerflüge für die Nutzung als Fotoflugzeug mit Präzisionskameras ausgerüstet. Die unter dem Rumpf angebrachte Kanzel nahm während des Fotoflugs den Navigator auf. Nutzer des Flugzeugs waren die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) und die DDR Luftfahrtgesellschaft INTERFLUG.
- Bild-Doku zum Wiederaufbau der IL-14P, Kennung 422: Hier klicken
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Film-Doku zum Wiederaufbau der IL-14P, Kennung 422: Hier klicken
Das Exponat IL-14P im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof:
- Der Flugzeugtyp Iljuschin Il-14 ist ein vom sowjetischen Konstruktionsbüro Iljuschin entwickeltes ziviles Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug mit zwei Kolbenmotoren, das im Juli 1950 seinen Erstflug absolvierte. Er kam in nahezu allen sozialistischen Staaten zum Einsatz.
- Neben der Produktion in sowjetischen Werken fertigten unter anderem die DDR und die Tschechoslowakei Nachbauten. In der DDR wurden 80 Flugzeuge IL-14 produziert.
- Die Iljuschin IL-14P steht für den Versuch der frühen DDR eine eigene Luftfahrtindustrie aufzubauen. Die IL-14P war der einzige in der DDR gebaute Passagierflugzeugtyp.
- Die IL-14P war der erste Flugzeugtyp, welcher bei der am 1. Juli 1955 unter dem Namen Deutsche Lufthansa GmbH der DDR gegründeten Luftfahrtgesellschaft (später Interflug) eingesetzt wurde.
- Diese IL-14P wurde 1958 im VEB Flugzeugwerke Dresden für die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) als Schul- und Fallschirmspringerflugzeug gebaut und bis 1965 zu diesem Zweck eingesetzt. Nach dem Umbau zum Luftbildflugzeug nutzte die NVA das Flugzeugvon Ende 1965 bis Ende 1982 als Fallschirmspringer-Absetzflugzeug und Luftbildflugzeug. Ab 1982 flog die Maschine noch kurz bei der DDR-Fluggesellschaft Interflug und wurde dann aus dem aktiven Dienst genommen. Das Ministerium für Staatssicherheit verwendete sie ab Dezember 1983 als Bodentrainer für Antiterrorübungen.
- Nach dem Fall der Mauer 1989 stand das Flugzeug bis 1992 ungenutzt im Freien und wurde durch Vandalismus erheblich zerstört.
- Seit 2006 restaurierten rund 20 Ehrenamtliche, darunter ehemalige Piloten, Mechaniker und Ingenieure der Interflug, die IL-14P im Auftrag des Deutschen Technikmuseums.
- Die wesentlichen Wiederherstellungsarbeiten wurden im Juli 2025 abgeschlossen und die IL-14 P mit der Kennung 422 Herrn Breuniger vom dem Deutschen Technikmuseum übergeben
- Das Ziel, das Flugzeug so wiederherzustellen wie es als Fotoflugzeug genutzt wurde, wurde erreicht.
Vorgeschichte - Entwicklung der IL-14:
Mitte 1939 nahm ein Flugzeug unter der Bezeichnung PS-84 oder Lisunow Li-2 bei der sowjetischen Staatslinie Aeroflot seinen Dienst auf, das eine ins metrische System übertragene DC-3 war, deren Lizenz die Sowjetunion 1937 von Douglas erworben hatte. Die militärische Ausführung der DC-3 hängt gut sichtbar außen am Technikmuseum. Noch während des Krieges, in dem die Li-2 in mehreren tausend Exemplaren eingesetzt wurde,
entwickelte man im Konstruktionsbüro Iljuschin eine Variante als Verkehrsflugzeug, die IL-12. Auffälliger Unterschied war das Bugrad, das einziehbar war und die Lande- und Rolleigenschaften stark verbesserte. Allerdings mußte die maximale Startmasse nach einem Unfall reduziert werden. Zudem hatte das Flugzeug starke Defizite im Einmotoren-Flug, so daß bald wieder an einer Weiterentwicklung gearbeitet wurde, der IL-14. Der Erstflug der IL-14 unter Cheftestpilot Kokkinaki fand am 13. Juli 1950 statt. Der erste Linieneinsatz der IL-14 erfolgte am 30.November 1954. Mit 26 Passagieren an Bord betrug die Reichweite 1500 km. Typische
Strecken der ersten Einsatzphase führten in mehr als 27 Stunden von Moskau nach Chabarowsk im fernen Osten – mit diversen Zwischenstops. Als sich abzeichnete, daß genügend Flugzeuge für den Eigenbedarf gebaut worden waren, überließ die Sowjetunion die Fertigungsrechte kostenlos der DDR und der Tschechoslowakei. Die sowjetische IL-14 (mit sowjetischer Besatzung) war das erste Flugzeugmuster, das von der Deutschen Lufthansa
(ab 1963 Interflug) geflogen wurde. Bereits das 15. Flugzeug der Deutschen Lufthansa war eine in Dresden gebaute IL-14P. Für den jungen DDR-Flugzeugbau war die Erfahrung der Großserienfertigung als Vorbereitung für den geplanten Bau des strahlgetriebenen Passagierflugzeugs 152 (Baade 152) wichtig. Die erste Dresdener IL-14P hatte am 26. April 1956 ihren Erstflug.
Technische Informationen:
- zweimotoriges Kurz- und Mittelstreckenverkehrsflugzeug
- freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise (Aluminium)
- in der Normalausführung als Reiseflugzeug für 26 Fluggäste
- Ausstattung: Garderobe, Pantry, Bordtoilette, Heizung, Lüftung und zweisitzigen
- Polsterbänken mit Klapptischen in den Rückenlehnen ausgestattet.
- Besatzung: 2 Piloten, 1 Bordmechaniker, 1 Funker, 1 Steuermann (Navigator),
1 Flugbegleiter/in - Länge 21,31 Meter | Spannweite 31,7 Meter |Höhe 7,8 Meter
- Massen: Leermasse 12.200 kg | max. Startmasse 17.000 kg
- Flugleistungen: Max. Horizontalgeschwindigkeit in Bodennähe 370 km/h
- Wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit 320 km/h
- Dienstgipfelhöhe etwa 6700 m (keine Druckkabine, aber Sauerstoff für die Besatzung)
- Reiseflughöhe: etwa 2500 m
- Erforderliche Pistenlänge etwa 1600 m
- Kraftstoff B-95/130 (95 Oktan) Gesamtfassungsvermögen 3520 ltr.
- Triebwerke: 2 x ASch 82T , in Lizenz hergestellt im VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
- Hubraum je 42 ltr. Leistung (bei 2.400 U/min) je 1900 PS
Das Restaurierungsobjekt
Die IL-14P des Deutschen Technikmuseums trägt die Werknummer 45 14 803 045 und wurde im Jahr 1958 in den VEB Flugzeugwerken Dresden (VEB FWD) in Dresden-Klotzsche gebaut. Ihr Erstflug fand am 16.10.1958 statt. Noch im Oktober 1958 wurde das Flugzeug an die Luftstreitkräfte der NVA (LSK/LV) ausgeliefert. Es erfolgte die Nutzung als Schulflugzeug an der Transportfliegerschule (TFS) Dessau mit der taktischen Kennung 921. Ab 21.11.1958 flog die IL-14 mit dem Funkkennzeichen DM-VAR und der taktischen Kennung 422. 1963 erfolgte die Übernahme zur Transportfliegerstaffel TS-24. Im Oktober 1965 wurde der Umbau zum Luftbildflugzeug realisiert, der im VEB FW Dresden durchgeführt wurde. Die Umbauarbeiten beinhalteten auch den Einbau einer Fotogondel. Das Flugzeug wurde am 20.06.1965 wieder an die NVA übergeben und dort fortan als Fallschirmspringer-Absetzflugzeug und Luftbildflugzeug eingesetzt. Am 17.12.1982 wurde die Maschine von der NVA an die staatliche Luftverkehrsgesellschaft INTERFLUG abgegeben. Die Übergabe an den Betriebsteil Fernerkundungs-, Industrie- und Forschungsflug der INTERFLUG erfolgte mit original NVA-Tarnanstrich und taktischer Nummer 422. Am 21.03.1983 erfolgte die Registrierung im Luftfahrtregister mit ziviler Kennung DDR-SAM. Der militärische Tarnanstrich wurde beibehalten. Bereits im Dezember 1983 wurde das Flugzeug
wieder aus dem Bestand der INTERFLUG ausgemustert und außer Dienst gestellt. Am 02.12.1983 wurde die IL-14 zum Flugplatz „Rote Jahne“ des MfS in Eilenburg /Sachsen überführt. Es war zugleich der letzte Flug dieser Maschine. Es erfolgte eine Löschung aus dem Luftfahrzeugregister. Ab Dezember 1983 wurde das Flugzeug als Bodentrainer für Antiterroreinsätze des MfS benutzt.
Nach der Wende im Jahre 1990 und der damit verbundenen Auflösung des MfS im Rahmen der Wiedervereinigung wurde das im Freien stehende unbeaufsichtigte Flugzeug durch Witterung und Vandalismus mit der Zeit stark beschädigt. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde gestohlen. Anfang der 1990 er Jahre informierte die Treuhand das Deutsche Technikmuseum Berlin über ein auf dem ehemaligen Stasi-Flugplatz abgestelltes Flugzeug vom Typ IL-14P, das an ein Museum abzugeben sei. Das DTMB zeigte vorsichtiges Interesse und so kam es schließlich zum Verkauf des Flugzeugs durch die Treuhand an das Museum für den symbolischen Wert von 1 DM.

1990: Die IL-14 in Eilenburg /Sachsen
Im Oktober 1992 wurde das Flugzeug innerhalb von 2 Tagen zerlegt und mit einem Schwerlasttransport nach Berlin transportiert. Hier wurde es zunächst im Hangar des Luftwaffenmuseums Gatow eingelagert. Im Jahr 2000 mußte das Objekt umgelagert werden. Auf dem Flughafen Tempelhof bot sich der Hangar 4 als neues Lager und Arbeitsplatz an. Ab März 2006 begannen die Restaurierungsarbeiten im Auftrag des Deutschen Technikmuseums Berlin.
Das Ziel der Restaurierung bestand darin, den Zustand von 1965 so originalgetreu wie möglich wieder herzustellen. Dabei sollen soweit machbar die zum Flugzeug gehörenden Originalteile verwendet, falls nötig, aufgearbeitet und möglichst wenige Ersatzteile aus anderen Quellen ergänzt werden.
Das Restaurierungsteam
Im Frühjahr 2006 schauten sich ein paar Luftfahrtbegeisterte die Teile der IL-14P, etwas genauer an und unter der Leitung eines ehemaligen Museumsmitarbeiters formierte sich eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher, die das Flugzeug restaurieren wollte. Im Lauf der Jahre wuchs die Gruppe an. Sie umfaßt im Ruhestand befindliche Flugzeugingenieure, Bordingenieure, Piloten, Flugzeugmechaniker, Triebwerksmechaniker und weitere Leute aus handwerklichen Berufen. Zum Teil kennen Mitarbeiter das Modell oder sogar das Exponat selber aus ihrem früheren Berufsleben. Einige hatten an ähnlichen Mustern in Dresden mitgebaut. Die Gruppe der hrenamtlichen hat sich im Lauf der Jahre verändert. Einige sind verstorben oder aus Altersgründen ausgeschieden, andere, auch Luftfahrtbegeisterte aus dem ehemaligen Westen, sind hinzugekommen. Inzwischen gibt es nur noch wenige, die IL-14-Typenkenntnisse aus ihrer beruflichen Tätigkeit haben. Ihr Durchschnittsalter liegt bei über 80 Jahren. Es wird eisern durchgehalten, um das Flugzeug ausstellungsreif zu machen. Alle Mitglieder des Restaurierungsteams arbeiten ehrenamtlich.
Zusatzbauten und Umbauten am Exponat IL-14P zum Luftbildflugzeug
Im Rahmen des im VEB FW Dresden im Oktober 1965 realisierten Umbaus zum Luftbildflugzeug wurde als markantes sichtbares Unterscheidungsmerkmal zur „normalen“ IL-14, unter dem Rumpf eine Fotogondel angebaut. Als das Flugzeug am 20.06.1965 wieder an die NVA übergeben wurde, waren insgesamt folgende Änderungen vorgenommen worden:
- Verstärkung des Rumpfs für Einbau der Fotogondel. In diesem Zusammenhang wurden einige Fenster verkleinert.
- Absenkung des Kabinenbodens
Der Kabinenboden wurde teilweise für den Einbau der Luftbildaufnahmesysteme (MRB 9, 15, 30/2323) abgesenkt, damit Senkrechtaufnahmen möglich wurden. In der Kabinenabsenkung ist außerdem er Arbeitsplatz des Luftbildoperateurs untergebracht. Für die Kameras wurden zwei Öffnungen in den Rumpfboden eingebracht. Die Öffnungen wurden durch elektrisch fahrbare Klappen abgedeckt. Die Motoren für die Klappenantriebe sind im Rumpfunterboden unterhalb der Kabinenabsenkung eingebaut. Die Steuerung der Fotoklappen erfolgt über eine Steuerungskonsole, die vom Fotooperateur bedient wird.
Für die Realisierung der Kabinenabsenkung war es erforderlich, nachfolgende zusätzliche Maßnahmen durchzuführen:
- Umbau/Verlegung der Heizungsrohre (rechte Rumpfseite);
- Umlenkung der Steuerseile (linke Rumpfseite);
- Neuverlegung der Elektroleitungen (rechte Rumpfseite).
- Anbau einer Fotogondel
Zusätzlich zu den Umbauten entschloß man sich zur Realisierung eines zweiten Arbeitsplatzes für den Navigator.
Zum Anflug des Luftbildraumes hatte der Navigator seine Arbeit von seinem Platz im Cockpit aus durchzuführen. Während dieser Zeit befand sich niemand in der Gondel. Zur topographischen Befliegung stieg der Navigator, in die Gondel, legte sich auf eine spezielle Liege und führte das Flugzeug exakt, über Sprechfunk mit den Flugzeugführern verbunden, auf den beabsichtigten Flugweg.
Der Komplex Fotogondel bestand aus:
- der Fotogondel selbst (Korpus und Glaskuppel),
- dem Einstieg/Abgang,
- der Liege,
- der Jalousie (vor der Glaskuppel war eine Jalousie angebracht. Sie wurde bei Start und Landung über einen Bedienmechanismus vom Navigator geschlossen, um die Glaskuppel vor Zerkratzen und Verschmutzung zu schützen.)
Einrichtung einer Dunkelkammer
Im Heck des Flugzeugs wurde der Einbau einer Dunkelkammer realisiert. Hierfür wurde der ehemalige hintere Gepäckraum umfunktioniert. Die Dunkelkammer diente in erster Linie zur Lagerung der Filmkassetten und zum Einlegen der Filme. Für die Fotokassetten war eigens ein Regal vorgesehen, das auf der rechten Seite fest eingebaut wurde.
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2012

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Februar 2025: Das neue Jahr brachte uns eine neue PSA und eine neue Kuratorin.

Januar 2025: Wir machen nur eine kurze Weihnachtspause, dann wird weitergearbeitet ...







